
Geht es anders nicht noch viel besser?
Immer mehr, immer schneller, immer weiter – wie ein Mantra hallt es durch die Führungsetagen vieler Unternehmen. Die Frage "Geht es nicht noch besser?" ist zum Standard geworden. Und ja, natürlich geht es besser – irgendwie. Doch ich stelle eine andere, weit wichtigere Frage: Geht es ANDERS nicht noch VIEL besser?
Der Irrtum der ständigen Optimierung
Was passiert, wenn Unternehmen versuchen, noch besser zu werden? Sie analysieren die Vergangenheit, sezieren Probleme, suchen Schuldige. Es wird optimiert, poliert, verfeinert. Doch diese Fixierung auf das Gestern, dieser Tunnelblick auf das, was "nicht funktioniert", führt nur zu einem: Wir bleiben im Alten verhaftet. Vielleicht in neuer Verpackung, aber innerlich bleibt alles gleich.
Die berühmte "Ist-Analyse" jedes Projekts macht genau das: Sie fesselt uns an die Vergangenheit. Und aus der Perspektive der Vergangenheit kann Zukunft nur falsch erscheinen – weil sie nicht messbar, nicht sicher, nicht bewiesen ist.
Schluss mit der Vergangenheitsbewältigung
Ich schlage einen anderen Weg vor. Einen Weg, der nicht auf der Suche nach Fehlern beginnt, sondern mit einer Haltung von Demut und Dankbarkeit. Denn diese Vergangenheit, die wir so gerne schlechtreden, hat uns doch genau hierher gebracht! Sie war nicht perfekt, aber sie war wirksam.
Warum also diesen permanenten Blick zurück? Warum das endlose Analysieren und Erklären? Ich lade Unternehmen ein, genau das zu lassen. Stattdessen: Gemeinsam am System arbeiten – nicht an den Menschen. Denn Menschen sind nicht das Problem. Die Strukturen, die Systeme, die Denkrahmen, in denen sie arbeiten müssen – das ist, worauf es ankommt.
Mut zur Systemüberwindung
In einer Welt, die sich rasant verändert, reicht es nicht, das Alte besser zu machen. Es braucht den Mut, das System selbst zu überwinden. Aber genau hier kneifen wir. Statt wirklich Neues zu wagen, flüchten wir uns in Analysen, Statistiken, Prognosen – in die Illusion von Sicherheit. Und am Ende? Da kommen wir zum Schluss, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist. Dass wir besser noch ein Gutachten beauftragen. Oder einen Workshop veranstalten.
Doch was wäre, wenn wir einfach anfangen? Ohne doppelten Boden. Ohne Angst. Nicht mit dem Ziel, perfekt zu sein – sondern anders. Anders denken, anders handeln, anders entscheiden. Nicht morgen, sondern heute.
Verantwortung statt Vermeidungsstrategien
Jede Veränderung beginnt bei uns selbst. Bei mir als Führungskraft, bei uns als Team, in unserer Abteilung. Es braucht keine neue Strategie, keinen Masterplan, sondern den Mut, Verantwortung zu übernehmen – und loszulegen.
Die Frage "Geht es nicht noch besser?" führt uns in die Sackgasse der Perfektion. Die Frage "Geht es anders nicht noch viel besser?" aber öffnet neue Wege. Wege, die wir nur gehen können, wenn wir bereit sind, den ersten Schritt zu machen – ohne zu wissen, wie der zweite aussehen wird. Denn am Ende geht es um eines: Mut zur Zukunft. Und dieser Mut beginnt genau jetzt.